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Woven Hand / David Eugene Edwards

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Woven Hand / David Eugene Edwards

Beitragvon Sam » Donnerstag 4. November 2004, 17:52

Das Album heisst "Consider the birds". Habe solch ein dichtes Zusammenspiel und Instrumentalisierung in dieser Form noch nie vorher gehört. Die Songs wirken nahezu hypnotisierend, alles ist flirrend und vibrierend, irgendwie hektisch-nervös. Es gibt wenige ruhige Momente, obwohl die Songs eher langsam sind, höchstens mal Mid-Tempo. Jeder Song klingt unheimlich dramatisch, manchmal schon fast beängstigend. Inhaltlich zutiefst spirituell-religiös, aber auch zweifelnd. Gesanglich klingt vieles nach Erlösung flehend an. Alles in allem eine unglaublich spannungsgeladene, dramatische Musik. Manche würden sagen, wer solche Musik macht, steht kurz vor dem Gang in die Psychatrie. Ich finde sie einfach umwerfend

Zu guter letzt dann doch noch eine Schublade zur Orientierung: stellt euch vor, man hätte Johnny Cash und Einstürzende Neubauten wider deren Willen in ein Studio gepfercht und sie gezwungen mit einem Album herauszukommen.

Anspieltips kann ich keine geben, da ich das ganze als Konzeptalbum betrachte. Durch dieses schwierige Meisterwerk muss sich jeder selbst durchkämpfen. Wer diesen persönlichen Kampf besteht, wird dieses Album nicht vergessen. Andere werden das Album nie wieder anfassen, denn dieses Album erlaubt keine halbherzigen Kompromisse.

Im November auch auf tour, allerdings nur begleitet mit einem Drummer. Für mich persönlich kommt terminlich nur Hasselt (B) in Frage und dies auch noch unsicher.
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Re: Woven Hand / David Eugene Edwards

Beitragvon Fart-Gas » Donnerstag 4. November 2004, 20:09

Sam hat geschrieben:Zu guter letzt dann doch noch eine Schublade zur Orientierung: stellt euch vor, man hätte Johnny Cash und Einstürzende Neubauten wider deren Willen in ein Studio gepfercht und sie gezwungen mit einem Album herauszukommen.


Nette Beschreibung :lol:
Bin gerade dabei mit Sixteen Horsepower warm zu werden. Die Musik ist wirklich innovativ und atmosphärisch. Nur mit dem Gesang hab ich stellenweise noch etwas Probleme.
Hat zwar seinen Charme, aber ab und an störts auch ein wenig.
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Beitragvon wobbly » Donnerstag 4. November 2004, 21:20

16 Horsepower ist genial, Woven Hand ebenfalls... Die Stimme ist am Anfang komisch, aber nach ner Zeit will man nix anderes mehr hören.. :wink:
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Beitragvon DemonFlower » Freitag 5. November 2004, 07:32

Habe mir die CD auch geholt und finde es klasse. Wem "Folklore" von 16 HP gefallen hat, sollte auch an diesem Album Gefallen finden.
Einordnen kann ich es nicht, und kann ebenso keine Anspieltips geben.

Sehr geeignet für Herbst/Winterabende bei Kerzenlicht und Rotwein.
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Beitragvon Sam » Freitag 8. April 2005, 21:01

Bin völlig begeistert! Heute per Zufall erfahren, dass David Eugene Edwards/Woven Hand am 3. Mai in Luxemburg spielt!! (Hinweis hier im Forum auf Auflösung von 16 HP hat mich motiviert, mal wieder über „Google“ Infos von DEE zu erhalten – und dieser Konzerthinweis war sogar auf der ersten Seite). In L gibt es schließlich nicht sooo viele Highlights…..Wollte ihn eigentlich schon letzten Herbst in Belgien sehen, u.a. der mühselige Weg durch die Ardennen hat mich damals davon abgehalten. Habe sofort das Ticket klar gemacht. In Deutschland spielt er nur in Bonn – er scheint diesmal (oder wie immer?) eher Beneluxphil zu sein. Endlich bin ich hier in der Provinz mal auf der Sonnenseite…Werde in der ersten Reihe stehen, direkt vor’m Mikro und seiner intensiven-dramatischen-spirituellen- Musik lauschen – na ja, und vielleicht auch hier und da mal dummes Zeug reinrufen oder mitsingen.

P.S.: Hätte diesen Hinweis auch noch unter zwei anderen threads packen könne (u.a. aktuell 16 HP-Auflösung), nehme aber einfach meinen Opener, zumal es wirklich nur um DEE geht -o.k. Woven Hand um ganz genau zu sein….
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Beitragvon Ida_Orloff » Freitag 8. April 2005, 22:26

Ich wünsch dir dort sehr viel Spass, würde mich an deiner Stelle aber nicht direkt vors Mikro stellen - der spuckt doch!
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Beitragvon Sam » Freitag 8. April 2005, 22:55

Ida_Orloff hat geschrieben:Ich wünsch dir dort sehr viel Spass, würde mich an deiner Stelle aber nicht direkt vors Mikro stellen - der spuckt doch!


Meine (kurzzeitige) Gesangslehrerin hat mal gesagt , dass man Speichel zulassen soll. Es zeugt davon, dass man „es“ zugelassen hat, sozusagen „in dem Song“ ist – und ist übrigens irgendwie tatsächlich was dran...! (das kann ich mir bei DEE auch gut vorstellen - hab ihn allerdings noch nie live erlebt, darum will ich gerade „Alles“ erleben. O.K.- ich zieh ein altes Hemd an (was man aber nach vier Wochen vielleicht sowieso mal waschen sollte) :D 8) 8O , aber was mach ich mit meiner Brille – na gut, ich nehme Taschen-/Brillentücher mit - auf meiner „Nicht-Frisur“darf alles kommen… :) ).

Hey Ida, hört sich so an, als wenn du ihn schon mal live erlebt hast?! Kannst du ein paar Eindrücke geben? Falls nicht (was nicht schlimm ist..), lass ich mich einfach überraschen.
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Beitragvon Fart-Gas » Samstag 9. April 2005, 13:18

Hab mir vor einigen Tagen auch mal endlich die "Consider the birds" zugelegt. Gehört für mich zu den intensivsten Sachen, die ich je gehört habe. Übertrifft selbst Cave bei weitem.
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Beitragvon Father McGreer » Montag 11. April 2005, 08:08

Ich bin scheinbar zu doof zum googeln! :(

Wäre deshalb gut, wenn einer von Euch alle Konzerttermine hier reinstellen könnte; vielleicht ist auch für nen Wahlfranzosen wie mich ein passender Termin dabei. :wink:
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Beitragvon Ida_Orloff » Montag 11. April 2005, 09:11

Die Tourdaten stehen u.a. auf der Glitterhouse-Seite:

DAVID EUGENE EDWARDS & WOVEN HAND

30/04 B – DE PANNE – Dranouter aan Zee
01/05 NL – DEN HAAG – Paard van Troje
02/05 D – BONN – Harmonie
03/05 L – ESCH zur ALZETTE – Kulturfabrik
05/05 UK – LONDON – Borderline
08/05 NL – TILBURG - 013
09/05 B – BRÜSSEL – Les Nuits Botanique – Cirque Royal
15/08 H - BUDAPEST - Sziget Festival


Ich habe ihn zuletzt im November 04 gesehen, zusammen mit einem Drummer. Er hat vor allem die Stücke aus dem Consider the Birds-Album gespielt, aber auch ältere Sachen. Ich finde ihn so faszinierend, weil er sich seiner Musik so hingibt, und scheinbar nichts um sich herum mitbekommt, nebenbei aber auch seine z.T. außergewöhnlichen Instrumente und Stimme perfekt beherrscht. Die Art von Musik, bei der man gespannt die Luft anhält und erst wieder atmet, wenn das Stück zu Ende ist.
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Beitragvon Father McGreer » Montag 11. April 2005, 09:28

Danke! :P

Ich war November 2004 in der Woche, als Dave Eugene Edwards gespielt hat, sogar in Hamburg, und habs nicht mitgekriegt! War das ein Ärger! :evil:
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Beitragvon wobbly » Montag 11. April 2005, 20:22

Hmmm.. Bonn vielleicht.. Lust hätte ich schon, aber der Mai ist eh schon so voll und dann kommt noch Madrugada und unsere eigenes Konzi.. und das Surffestival und ein Seminar.. hmmm.. bestimmt gehts... :)
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Beitragvon Sam » Mittwoch 4. Mai 2005, 21:43

Bin jetzt noch mehr begeistert! Das Konzi war einfach genial!!. Begleitet wurde er von einem Drummer (vermute O. Garrison vom letztem Album) und einem Gitarristen (E-Gitarre, nutzte nie eine Acoustik-G). DEE selbst wechselte zwischen 2 E-Guitarren und seinem Banjo. Insgesamt wirkte alles etwas rauher als auf den Alben, nur bei seinen komplett Solo-gespielten Banjo-Songs war’s acoustic pur. Dann hat er sogar auch einmal ohne Mikro gesungen – eine Stimme aus dem Off sozusagen, dazu einen immer wiederkehrenden Banjo-Riff, der hypnotisierend wirkte.

Spielte viele Songs von den letzten beiden Alben, dazu einige wenige, die ich nicht kannte. Er hat die Songs nie angekündigt mit Namen, sondern hat zwischen den Liedern über seine Effektgeräte häufig einen tonalen und düsteren Grundteppich gelegt, bevor er in den nächsten Song einstieg (Gebe zu, dass es mir schwer fällt, seine Song-Namen zu merken. Weis nicht genau woran dass liegt - vermutlich, weil ich seine Alben immer komplett hören muss, um sie zu verstehen/wirken zu lassen – wie ein Film, den man komplett sehen muß, um die Story zu begreifen , einzelne Szenen, sind dann auch nicht mehr von Bedeutung – eigentlich egal, der Inhalt zählt!). Oder er stimmte in aller Gelassenheit seine nächste Gitarre.

Als während eines Songs die Gitarre ausfiel (im nachhinein war nur das Kabel Schuld, längere Zeit geforscht wurde an den Effektgeräten – ja, ja, immer wieder diese blöde Technik….) hat er sich nur kurz beirren lassen und einfach „nur“ gesungen! Dies hat er übrigens über zwei verschiedene Mikros (angebracht an einem Ständer und somit direkt wechselbar durch leichte Kopfneigungen) getan. Einmal ein klassisches und dann mit Aufsatz, der den Megaphon-Effekt bei gewissen Songs oder Songpartien hervorbrachte (wie halt auf dem letzten Album).

Kommunikation mit dem Publikum: Null, obwohl gerade wegen der intimen Atmsphäre dazu gute Gelegenheit wäre. (nur zu Beginn der zweiten Zugabe, „thank you for clapping“, „ seems to be a punishment“). Er scheint kaum mitzubekommen, dass es ein Publikum gibt. Wirkte einerseits sehr konzentriert zwischen den Songs in seiner Vorbereitung auf den nächsten und völlig „in der Musik“ während den Songs. Permanentes Linkes-Bein-Zittern, ein hin und wieder bedrohlich wackeliger Barhocker, rinnende Schweisstropfen vom Haar ins Gesicht und auf dem Boden, das Mikro mit dem Kopf streichelnd, die auf Papier geschriebene Setlist vor ihm von seinen Schuhen zerissen, Speichel vor’m Mund – als dies sind meine Eindrücke, die dies untermauern, dass er seine Songs wirklich lebt. Dazu passt auch, dass DEE am Ende des Konzerts stehend mit seine Händen kurz um seinen Platz wedelte, als ob er die guten und bösen Geister, die ihm während des Konzertes verfolgten, verscheuchen wollte, um den Ort wieder sauber zu machen. Mit den Zugaben dauerte das Konzert ca. 2 Stunden.

Wenig Publikum (a. 100), hatte dementsprechend keine Probleme mich direkt vor ihm zu positionieren in der ersten Reihe – wie ich bereits angekündigt habe (die anderen Besucher, schienen aber nicht zu wissen, dass er auf einem Hocker sitzen wird, der links außen stand – und gerade da war ausreichend Platz bevor es losging……, außerdem ist das L-Publikum von Haus aus eher zurückhaltend-nett, man geht halt respektvoll miteinander um, halt keine rücksichtslosen Kämpfe zwischen Volltrunkenen um die besten Plätze, wie ich es früher in Berlin erlebt habe).

Also gespuckt hat er nicht, es gingen lediglich ein paar wenige „Salven“ (besser Tropfen) Speichel auf mir nieder, ein Taschentuch für’s Brillenputzen habe ich jedenfalls nicht gebraucht.

Hatte den Eindruck, dass im Publikum ihn keiner vorher kannte – sich aber ein erheblicher Eindruck eingemeißelt hat während des Konzerts. Jeder wollte jedenfalls mehr nach der Show.

Vor diesem Konzi fand ich seine Mucke einfach nur klasse, jetzt bin ich ein Fan! Unglaublich, bin zutiefst beeindruckt!!!! Wer jemals die Gelegenheit hat ihn zu sehen, hingehen lohnt sich!

P.S.: auch wenn die Musik mit NC nicht vergleichbar ist (jeder ist auf seine spezielle Weise anders und genial), so gibt es doch eine Gemeinsamkeit: beide sind schlank, sehr schlank oder abgemagert, je nach persönlicher Sichtweise.
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Beitragvon Fart-Gas » Donnerstag 5. Mai 2005, 10:35

Schöner Bericht. Hätte ihn auch gerne mal live gesehen, vor allem wo er so ein Hammer-Album hingelegt hat. Sicher nicht vergleichbar mit einem Konzert, wo man hingeht, gute Musik hört und wieder verschwindet. Stell mir das wie ein dunkel-atmosphärische Messe vor, wo alle einfach nur stumm und unbeweglich stehen und sich vor lauter Hypnose jede Bewegung unterdrücken. Sollte er noch mal in Deutschland auftreten, bin ich auf jeden Fall dabei.
Gib ihnen am Morgen die BILD und am Abend das Quiz und lass sie immer im Glauben, dass das das Leben ist.
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Beitragvon ministry » Donnerstag 5. Mai 2005, 10:58

woven hand live .... wow .....

muss geil gewesen sein
"und darum sollst du deine Tugenden lieben - : denn du wirst an ihnen zu grunde gehn. -
also sprach zarathustra" f. nietzsche
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